Deutsche Schautippler

 

2016 beginnen wir unser 50-jähriges Bestehen. Im gleichen Jahr wollten wir auch den Siegerring-Wettbewerb bestreiten. Leider wurde er ein Opfer der Vogelgrippe. Wir durften ihn aber 2017 auf der VDT Schau in Leipzig nachholen. Mit einem Meldeergebnis von 375 Tieren erreichten wir eine bis dahin noch nie erreichte Tierzahl auf einer Großschau. Unsere Präsentation erhielt größtes Lob vom VDT, dem BdRG, der Presse und natürlich auch von vielen vielen Züchtern und Besuchern. Ein bisschen stolz macht uns das schon, aber es ist auch gleichzeitig Ansporn weiter in dieser Richtung unsere SV und züchterische Tätigkeit auszubauen. Kurz etwas zur Geschichte und Entwicklung der Tippler. Aus bekannten Schriften geht hervor das unsere Tippler aus alten Flugtümmlerrassen hervorgegangen sind. So liegen Aufzeichnungen von 1596, geschriebenem Vezir Abul Falz vor. Er war der Vezir vom Akbar des Großen der ein großer Taubenliebhaber gewesen sein soll. Es wird hier erstmals vom fliegerischem Tümmeln der Tauben berichtet. Da zu der Zeit auch schon Handelsniederlassungen in Ostindien bestanden gelangten die Tauben über den Seeweg nach Europa. 1876 wird erstmaliger Name Tippler in einer Schrift erwähnt und 1883 erscheint in England ein Werk von D.Smith aus Nottingham über Flugtippler.

In späteren Veröffentlichungen wird geschrieben, dass der Tippler aus Kreuzungen von Almond Tümmlern, Weißkopftümmlern und weißen Cumulet Tümmlern entstanden sein soll. In anderen Veröffentlichungen wird auch das Einkreuzen von Brandern erwähnt. Interessant ist aber, dass es bereits 1891 den ersten Spezialverein von Schautipplern gab. 1.Vorsitzender war Mr. Jeep Porthill, Staffordshire/England. Von diesem Verein wurde auch die Musterbeschreibung heraus gegeben. Ihre Spielarten  gab es nur in Bronze -Schokoladenbraun.

Blicken wir einmal auf die Entwicklung bei uns zurück :

Die Flugtippler gab es schon um 1910 in Deutschland. Sie standen aber noch nicht so im Mittelpunkt, sowie auch der Ausstellungstippler nicht. In den dreißiger Jahren sah man sie aber schon häufiger. Zu der Zeit züchtete sie bereits B.Knobbe aus Olvenstedt. Erstanden hatte er sie vom Taubenhändler Diesig aus Magdeburg. Nach Kriegsende war es schwer Tippler zu bekommen. Es gelang ihm aber in den folgenden Jahren Tiere zu erwerben. Sie ähnelten aber im Typ, der Figur und in den Kopfpunkten stark dem Flugtippler. Lediglich die Tigerung passte annähernd zum Schautyp.

Schon zu Beginn der 50er Jahre gab es Bemühungen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR zur Erhaltung des Schautyps der Tippler. Es dauerte aber über 10 Jahre um die interessierten Züchter zusammen zu führen. Einer der zielstrebigsten Initiatoren war natürlich der Zuchtfreund Bernhard Knobbe, jetzt in Magdeburg wohnhaft. Einen gleichgesinnten Partner fand er in Bruno Helmhold. Ihr fleißiges Wirken führte 1966 zum Ziel. Die Gründungsversammlung der SZG englische Schautippler fand am 01.Oktober 1966 in Roßla/Thüringen statt. Der erste Vorstand wurde gewählt und bestand aus folgenden Zuchtfreunden: 

Bruno Heimholt aus Aderstedt (1966-1974)                 1. Vorsitzender 

Dietmar Frank aus Zagwitz                                            Stellvertreter

Siegmar Forgbert aus Roßla                                         Schriftführer

Edgar Frank aus Ohrdorf                                               Kassierer

Bernhard Knobbe aus Magdeburg                               Zuchtwart

Die Eintragung als SZG wurde noch im gleichen Jahr beim VKSK beantragt und das Werben für eine größere Mitgliederzahl erfolgte im stärkeren Maße. Mit ihrer hohen Zuchtfreudigkeit und Zutraulichkeit warben die Tippler allerdings schon allein für sich. Es galt jetzt eine feste Organisation zu schaffen.

Der bestehende Standard musste überarbeitet werden. Dafür setzte sich besonders Bernard Knobbe ein. Mit Unterstützung vom ZR Emil Schmidt aus Magdeburg und von Dr. Wilhelm Bullmann aus Olvenstedt wurde die Überarbeitung begonnen. Dr. W. Bullmann hatte beruflich in England zu tun und verfügte vor allem über sehr gute Kontakte zu englischen Flugtipplerzüchtern. 

Er beschaffte einen englischen Standard und erhielt auch Bilder vom Schautyp. Auf deren Grundlage entstand die neue Musterbeschreibung.  Ein einschneidendes Problem bei der Erstellung des neuen Standards waren allerdings die Farbschläge. Den Schautyp des englischen Tipplers gab es nur kupferfarbig. Einfarbig, hell- und dunkeltiger, sowie die Bärtchen. Zu dem Zeitpunkt waren aber im Standard von 1934, sowie im Standard der DDR viele Farbschläge aufgeführt. Es gab z.B. neben den Kupferfarben auch blaue, rote, gelbe und schwarze in einfarbig getigert, sowie auch als gespitzte Varianten.

Es waren alle anfallenden Farbenschläge der Flugtippler in den deutschen Standarten des Schautyps mit aufgenommen worden.  Sie fielen mit dem neu beschlossenen und genehmigten Standard natürlich weg. Eine Abweichung vom englischen Standard besteht darin, dass außer den kupfernen Farbenschlägen noch die Schwarztiger mit aufgenommen wurden. Mit dieser Entscheidung verlor die SZG auch etliche Liebhaber des blauen, roten und gelben Farbenschlages. In den kommenden Jahren wurden die Schautippler schon mal in größeren Zahlen ausgestellt, aber die erste große Sonderschau wurde erst 1970 in Leipzig durchgeführt. Der Raum Magdeburg wurde zum Zuchtschwerpunkt. Auf verhältnismäßig kurze Entfernung waren 15 Züchter anzutreffen. Große Verdienste erwarben sich u.A. Alfred Ilgenstein und Kurt Selter beim Erzüchten und Festigen der Schwarztiger, Rolf Glaser bei den einfarbig kupfernen, Fritz Weinaug und Wolfgang Meyer bei den Kupfertigern. Erfolgreiche Züchter waren aber auch im Thüringer Raum und Berlin zuhause. Zur Verbesserung der Rassenmerkmale waren sie die Vorreiter, welche durch Einkreuzungen anderer Rassen versuchten zum Erfolg zu kommen. Dazu sei nur so viel gesagt, dass die damaligen Self, heute Long faced, sowie die kupferfarbigen berliner Kurzen am erfolgreichsten Pate gestanden haben. Im Laufe der Jahre und der gewachsenen Erfahrung gab es noch einige Standardveränderungen. So wurden aus hell- und dunkeltiger nur noch einheitlich der getigerte Farbenschlag. Ab 1979 wurden die Hand- und Armschwingen generell farbig verlangt. Schon nach kurzer Zeit hatten die Tiere wohl sattere Farben, aber die Tigerung wurde immer weniger. Es fehlte der Helltiger oder eine Tigerzeichnung in welcher nur die Handschwingen farbig verlangt wurden. Das wurde nach dieser Erfahrung dann korrigiert. Bis zum Erhalt des heutigen Standards vergingen Jahrzehnte und in ihnen sind die bisher gewonnenen Erfahrungen unserer Züchter verankert. So wurde die Kopfform volumiger, die Stirn ansteigender und die flache Körperhaltung sowie die lange Figur nicht mehr gewollt. Auch die Kurzläufigkeit passte nicht mehr zum gewünschten Idealbild mit der abfallenden Rückenlinie. 

Der heutige Schautippler ist unsere Prägung und ich denke darauf können wir stolz sein. Wir haben einen hervorragenden Zuchtstand erreicht, der allerdings in den einzelnen Farbenschlägen noch unterschiedlich ist. Bei den Schwarztigern sind alle Rassenmerkmale am gefestigsten. Figuren, Köpfe, Augen, Ränder sowie die Farbe und vor allem auch die Tigerung zeichnen sie aus. Die schwarzen Einfarber stehen ihnen kaum etwas nach. Bei beiden Farbenschlägen müssen wir schon etwas auf den Größenrahmen achten. Auch die einfarbig Kupfrigen haben grade in den letzen Jahren besonders in der Qualität der Farbe zugenommen. Unsere Kupfertiger sind der schwierigste Farbenschlag. Ihr Farbton lässt sich von weiß am schnellsten aufhellen und führt dann zum unerwünschten Rotton und der Schimmelbildung. Deshalb wird bei ihnen auch noch eine leichte Schilfeinlagerung in den Schwingen toleriert.

Schecken, insbesondere die Schwarzschecken sind nicht so stark verbreitet, doch ihre Qualität stimmt. Schildtiger und Bärtige bilden z.Z. noch die Ausnahme. Es wird intensiv daran gearbeitet. Verfolgen wir aber unsere Geschichte. 1989 erfolgte die Wiedervereinigung Deutschlands. Wir wandelten uns von einer Sonderzuchtgemeinschaft (SZG) zum Sonderverein (SV). Der Beschluss wurde am 29.04.1990 in Benzingerode/Harz gefasst. Für uns war das kein Problem, denn in den alten Bundesländern gab es keinen SV für Schautippler. Bei ihnen war der Tippler als Schautyp erst 1983 im Standard aufgenommen und auch kaum gezüchtet worden. Im Bundesdeutschen Standard war noch der Dunkeltiger enthalten. Weil es sich zeichnungsmäßig anbot, wurde aus diesem Farbschlag der Schildtiger. Der Vorsitzende Lutz Kosan ließ uns im Kreisgericht Magdeburg eintragen. Die Beurkundung erfolgte am 18. Juni 1990. Der erwartete große züchterische Zulauf nach der Wiedervereinigung blieb leider aus. Im Gegenteil, wir wurden weniger. Ein Teil unserer Züchter hatte plötzlich "keine Zeit" mehr. Dinge an die wir bis dahin nie gedacht hatten, wie z.B. die Arbeitslosigkeit führten zu Austritten. Unser Mitgliederbestand stagnierte einige Jahre. Mit dem zunehmenden Ausstellen unserer Tauben gewannen wir aber an Zuchtfreunden und es ging wieder aufwärts. Heute sind unsere Tauben auf allen führenden Schauen mit steigenden Meldezahlen vertreten. Insbesondere in Leipzig hatten wir bisher die höchsten Meldezahlen und konnten uns schon über 280 ausgestellte Tiere freuen. 

2007 überraschte und eine Information der EE. Angeblich hätte der englische Verband Einwände gegen unsere Namensführung. Wir wären von ihrem Standard abgewichen und hätten somit kein Recht den Namen "englische Schautippler" zu führen. Alle Versuche mit den Engländern ins Gespräch zu kommen scheiterten. Sie mussten scheitern, da es gar keinen direkten Ansprechpartner mehr gab. Im Wortlaut gab es zwischen den Standarten nur geringe Unterschiede. Aber in der Auslegung waren sie schon zu erkennen. Wir beschlossen einstimmig aus dem englischen einen deutschen Schautippler zu machen. Die Anerkennung des neuen Rassenamens erfolgte 2008. Mit gleicher Terminierung gelang auch die Anerkennung des Farbenschlages der Schecken. Jetzt dürfen wir uns auch als "Mutterland des deutschen Schautipplers" bezeichnen. Nach der Namensänderung stieg unerwartet unsere Mitgliederzahl! Nicht unerwähnt lassen möchte ich die Arbeit unserer Vorsitzenden über die 5 Jahrzehnte:

Bruno Helmhold von 1966-1974

Eberhard Koch von 1974-1976

Hans-Walter Sänger von 1977-1989

Lutz Kosan von 1990-1992

Kurt Selter 1993-September 2001.

Dann übernahm Wolfgang Meyer und er führt den SV auch heute noch. Jeder der genannten Vorsitzenden hatte zu seiner Zeit, in unterschiedlichster Art, mit seinen Mitteln und Möglichkeiten viel für unsere Gemeinschaft geleistet. In den 5 Jahrzehnten hatten wir auch unterschiedliche Voraussetzungen. Wir sollten das nicht vergessen! 

Vor 30 Jahren hatten viele grade ein Telefon. Es gab kaum Handys, Computer, Internet und Facebook. Eine Vorstellung, die den jüngeren Zuchtfreunden unter uns sicher unvorstellbar erscheint, aber es hatte auch einen großen Vorteil. Wir mussten miteinander reden und das wirkte sich stets vorteilhaft für die SV Arbeit aus!

2001 waren wir noch 19 Zuchtfreunde, heute sind wir über 60 Mitglieder stark. Vor allem haben wir auch ein gutes Potenzial an jungen Züchtern. Wir können also doch optimistisch in die Zukunft blicken. 

Zuchtfreunde und Interessierte an unserer Rasse sind immer herzlich Willkommen. 

 

Ansprechpartner ist u.A. der 1. Vorsitzende Wolfgang Meyer 39326 Wolmirstedt, Friedrich-Ebert-Str. 13.

 

W. Meyer

Wolmirstedt

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